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Zahnkaries
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Die Zahnkaries (von lateinisch caries âMorschheitâ, âFĂ€ulnisâ) oder kurz Karies ist eine multifaktoriell bedingte destruierende Erkrankung der Zahnhartgewebe, Zahnschmelz und Dentin. Sie entsteht unter Beteiligung von Mikroorganismen und geht von einer durch SĂ€ureeinwirkung âentkalktenâ ZahnoberflĂ€che aus. Weitere Bezeichnungen sind auch ZahnfĂ€ule oder ZahnfĂ€ulnis (lateinischer Fachausdruck: Caries dentium).
Contents
âą Ătiologie
âą Stadien
âą Initialkaries
âą Caries profunda
âą Caries penetrans
âą Diagnose
âą Verbreitung
âą Vorbeugung
âą ZĂ€hneputzen
âą Zahnarztbesuch
âą Impfung
âą Therapie
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Leitlinien
âą Fachliteratur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Ătiologie
â
Hauptartikel
:
Geschichte der Zahnmedizin: Die Entwicklung der Vorstellungen ĂŒber die Entstehung von Karies
Es gibt mehrere Theorien zur Entstehung von Karies. Ausgangspunkt moderner Kariestheorien war die chemoparasitĂ€re Theorie nach Willoughby D. Miller (1890), wonach Lactobazillen (im Zusammenwirken mit Kohlenhydraten und Speichel) bis in die 1960er Jahre als Ursache angesehen wurden.cite-ref-1[1] In der Folge entwickelte sich die spezifische Plaquehypothese, gefolgt von einem Paradigmenwechsel, der zur ökologischen Plaquehypothese gefĂŒhrt hat.cite-ref-2[2] Demnach kommt es auf Grund mehrerer pathogener Faktoren zur Zerstörung der Zahnhartgewebe in mehreren Stufen.
Karies wird durch eine Störung der Homöostase der oralen Mikroflora, nĂ€mlich durch eine selektive BegĂŒnstigung potenziell pathogener Mikroorganismen, wie des Streptococcus mutans, und durch eine zuckerreiche ErnĂ€hrung verursacht. Es handelt sich demnach nicht um eine exogene Infektion, die zur Erkrankung fĂŒhrt. Die Bakterien sind auch bei Gesunden ein Teil der physiologischen endogenen Flora, die durch die VerĂ€nderung bestimmter Faktoren pathologisch werden kann. In seltenen FĂ€llen ist Streptococcus mutans, einer der wichtigsten kariesfördernden Erreger, nicht Teil der Mundflora oder nur sehr schwach vertreten, wodurch die Wahrscheinlichkeit der Erkrankung geringer ist.cite-ref-3[3] Wenn eine azidogene und azidurische Spezies begĂŒnstigt wird und deren metabolische AktivitĂ€t durch hĂ€ufigen Zuckerkonsum organische SĂ€uren bildet, fĂŒhrt dies wiederum zu einer BegĂŒnstigung der Demineralisation der Zahnhartsubstanzen und damit zur Karies.cite-ref-4[4]
Die Mundhöhle eines Ungeborenen ist zunĂ€chst steril, bereits bei der Geburt erfolgt der erste Kontakt mit vaginalen und fĂ€kalen Mikroorganismen. Innerhalb kurzer Zeit entwickelt sich eine natĂŒrliche Bakterienflora Ă€hnlich der Erwachsener. Die Ăbertragung der kariogenen Erreger erfolgt durch Speichelkontakt. Die Kolonisierung mit dem bedeutendsten kariogenen Keim S. mutans erfolgt in manchen FĂ€llen erst nach Durchbruch der MilchzĂ€hne.cite-ref-5[5] Die hĂ€ufigste Ăbertragung erfolgt ĂŒber den Milchflaschensauger zwischen Mutter und Kind (Löffel oder Schnuller abschlecken, Vorkosten, TemperaturprĂŒfung der Milch), aber auch durch andere Ăbertragungswege wie KĂŒssen, gemeinsames Benutzen von Geschirr, Husten.cite-ref-6[6] (Siehe hierzu auch: Prophylaxe (Zahnmedizin)#Kariesprophylaxe.)
Es gibt seltene vererbte Krankheitsbilder. Beispielsweise die Amelogenesis imperfecta, eine angeborene Störung der Zahnschmelzbildung, die mit einer erhöhten KariesanfÀlligkeit einhergeht.
Biologische Grundlagen
Die ZĂ€hne sind von einem Biofilm (Plaque) umgeben, der zahlreiche Mikroorganismen enthĂ€lt. Einige davon können niedermolekulare Kohlenhydrate aus der Nahrung zu organischen SĂ€uren verstoffwechseln und zu einer Senkung des pH-Wertes fĂŒhren. Sinkt der pH-Wert am Zahn unter einen kritischen pH-Wert (5,2â5,7 fĂŒr Zahnschmelz bzw. 6,2â6,7 fĂŒr Zahnzement und Wurzeldentin), können Mineralien wie Kalziumphosphate aus den Zahnhartsubstanzen herausgelöst werden; der Zahn wird demineralisiert.cite-ref-7[7] Wird dieser Prozess nicht gestoppt oder umgekehrt, fĂŒhrt die Entmineralisierung des Schmelzes zur Bildung einer kariösen LĂ€sion. Karies ist das Ergebnis einer ökologischen VerĂ€nderung des Biofilms. Sie kann somit als Verschiebung des dynamischen Gleichgewichtes zwischen den in der Zahnhartsubstanz gebundenen Mineralsalzen und denjenigen, die im Biofilm beziehungsweise im Speichel gelöst sind, definiert werden.cite-ref-8[8]
An Karies kann man erkranken, wenn vier Hauptfaktorencite-ref-9[9] zusammenwirken:
⹠KrankheitsanfÀlligkeit des Zahnes
âą niedermolekulare Kohlenhydrate (besonders in Zucker und gezuckerten Speisen enthalten)
âą genĂŒgend Zeit
Neben diesen Hauptfaktoren gibt es diverse Nebenfaktoren: Zahnstellung, Zahnfehlbildungen, Speichelfluss und -zusammensetzung, genetische Faktoren und die Zusammensetzung der Nahrung.
In der Plaque siedeln sich Laktobazillen und verschiedene Streptokokkenarten an. Herausragend ist S. mutans. Zucker aus der Nahrung wird von diesen Bakterien zu MilchsĂ€ure abgebaut. Nur Mikroorganismen, die diesen Stoffwechselprozess beherrschen (azidogene Mikroorganismen) und in stark saurem Milieu ĂŒberleben können (azidurische Mikroorganismen), vermehren sich dann weiter. ZahnbelĂ€ge von Personen, die viel und hĂ€ufig Zucker konsumieren, haben deshalb eine andere Mikrobiota.
Neuere Forschung hat ergeben, dass ein Zusammenspiel des S. mutans mit dem Pilz Candida albicans existiert, wodurch das Bakterium seine Virulenz verĂ€ndert. Der Pilz produziert SignalmolekĂŒle, die Gene des Bakteriums zur Produktion zelleigener Antibiotika anregen. Ferner kann das Bakterium durch den Pilz fremdes Erbgut aufnehmen. Auch die Produktion klebriger Substanzen, einer wichtigen Voraussetzung fĂŒr die Haftung des S. mutans auf dem Zahn, wird durch den Pilz unterstĂŒtzt.cite-ref-10[10]
Wurde die SÀureeinwirkung nicht mikrobiell, sondern etwa durch Zufuhr von FruchtsÀuren verursacht, so wirkt dies ebenfalls zahnschÀdigend, hat aber eher das Krankheitsbild der Zahnerosion zur Folge.
Stadien
Initialkaries
Als Kariesvorstufe (Initialkaries) bilden sich zuerst Entkalkungen. Diese sind makroskopisch als weiĂe Flecken (englisch white spot, lat. macula alba) erkennbar. Durch Einlagerungen von Farbpigmenten aus der Nahrung werden diese Flecken oft dunkel (lat. macula fusca).
Karies, welche sich nur auf den Schmelz begrenzt, muss nicht in jedem Fall invasiv (mit dem âBohrerâ) behandelt werden. Solange die Schmelz-Schicht nur angegriffen, aber insgesamt noch intakt ist, kann durch geeignete FluoridierungsmaĂnahmen und eine Ănderung der ErnĂ€hrung (nach ErnĂ€hrungsberatung) die LĂ€sion remineralisiert werden, dabei werden die Hydroxidionen im Apatit durch das Fluorid zu Fluorapatit ersetzt.
Wird eine Karies im Anfangsstadium, d. h. solange nur der Zahnschmelz (Caries superficialis) befallen ist, nicht remineralisiert, dringt sie in das Dentin (Zahnbein) vor. Bereits diese Dentinkaries (Caries media) kann zu Zahnschmerzen fĂŒhren.
Da Dentin wesentlich weicher als Zahnschmelz ist, breitet sich die Karies unterhalb der Schmelz-Dentin-Grenze in die Breite aus. Der so unterminierte Zahnschmelz an den RÀndern des kariösen Defektes bricht nach gewisser Zeit beim Kauen ein. Die Karies wird da oft erstmals wahrgenommen, obwohl sie schon seit lÀngerer Zeit existiert.
Als Approximalkaries bezeichnet man eine Karies, die an den Kontaktstellen nebeneinander stehender ZĂ€hne, demnach im Zahnzwischenraum, entsteht.
Caries profunda
⹠aus der Destruktionsschicht, in der Bakterien nicht nur Mineral aufgelöst, sondern auch die Proteinmatrix zersetzt haben,
⹠der Zone der bakteriellen Penetration, in der Bakterien in die DentinkanÀlchen eingedrungen sind,
âą der Demineralisationszone (Mineralverlust durch SĂ€ureeinwirkung)
âą und der Transparenzzone. In dieser haben die Odontoblasten mehr Mineral in den DentinkanĂ€lchen abgelagert, um den Fortschritt der Karies zu verzögern. Im mikroskopischen DĂŒnnschliff erscheint diese Schicht durchsichtig, da die optischen GrenzflĂ€chen (mineralisiertes Dentin und Kanalinhalt) wegen der Mineralablagerung verschwunden sind.
Caries penetrans
Bei der Caries penetrans (durchdringende ZahnfĂ€ule) hat der Defekt durch das Dentin hindurch die Pulpa (im Volksmund: âZahnnervâ) erreicht, so dass eine Verbindung zwischen Mundhöhle und Pulpencavum (Hohlraum, in dem sich die Pulpa befindet) entstanden ist.
Diagnose
Die PrĂ€sentierung von Karies ist sehr variabel, allerdings sind die Risikofaktoren und Stadien der meisten Erscheinungsbilder identisch. Je nach Lokalisation ist die Karies entweder direkt sichtbar, oder kann erst durch diagnostische Werkzeuge (Röntgen, Sonden, Laser) sichtbar gemacht werden.cite-ref-11[11] Die primĂ€re Diagnosestellung beim Zahnarzt erfolgt in erster Linie durch Inspektion mit einer starken Lichtquelle, einem zahnĂ€rztlichen Spiegel und einer Sonde in Kombination mit Druckluft. Die Ergebnisse der Inspektion werden mit Röntgenbildern verglichen, die Karies in den nicht-zugĂ€nglichen Bereichen der ZĂ€hne (Fissuren, Kontaktpunkte zwischen den ZĂ€hnen) sichtbar machen können. Hierzu werden BissflĂŒgelaufnahmen angefertigt.cite-ref-12[12] Der Einsatz von Sonden zur Kariesdiagnose, insbesondere solcher mit spitzen Enden, wird in der Fachliteratur kontrovers diskutiert.cite-ref-13[13] Karies im frĂŒhen Stadium kann durch den Einsatz von Fluoriden gestoppt werden, solange sich noch keine KavitĂ€t gebildet hat. Solche Bereiche könnten durch spitze Sonden einbrechen, wodurch die erkrankte Stelle nicht mehr allein durch Fluoridierung remineralisiert werden kann.cite-ref-14[14]
Verbreitung
Zahnkaries gilt als die am weitesten verbreitete Krankheit beim Menschen.cite-ref-15[15] In Deutschland ist nur etwa ein Prozent der Erwachsenen kariesfrei.cite-ref-16[16] Die Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV; 2010) ergab, dass 70,1 % der Kinder (12 Jahre) und 46,1 % der Jugendlichen (15 Jahre) ein Gebiss ohne Karieserfahrung haben.cite-ref-17[17] Vergleichbar mit anderen LÀndern, sinkt das Vorkommen von Karies mit der Zugehörigkeit zu einer höheren sozialen Schicht.cite-ref-18[18]
FĂŒr Karies sind in erster Linie die ErnĂ€hrung (insbesondere Zucker) und mangelnde Zahnpflege verantwortlich, die genetische AusprĂ€gung eines Menschen hat hingegen keinen wesentlichen Einfluss. Auch wenn die Zusammensetzung des menschlichen oralen Mikrobioms durch den genetischen Hintergrund beeinflusst wird, sind potenziell kariogene BakterienstĂ€mme von genetischen Faktoren unabhĂ€ngig. Der Zusammenhang zwischen menschlichem oralen Mikrobiom und genetischem Hintergrund einer Person nimmt weiterhin mit dem Alter ab.cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]
Auf einem Symposium im Vorfeld des Kongresses der EuropĂ€ischen Arbeitsgemeinschaft fĂŒr Kariesforschung (ORCA) wurde festgestellt, dass Verbesserungen in der Mundgesundheit und eine Reduzierung der Ungleichheiten in der Mundgesundheit durch eine sektoren- und disziplinĂŒbergreifende Zusammenarbeit erreicht wird sowie ĂŒber Strategien, die sich auf die vorgelagerten, zugrunde liegenden Determinanten von Munderkrankungen konzentrieren.cite-ref-21[21]
Karies nach Strahlentherapie
Erkranken Patienten an malignen Tumoren im Kopf-Hals-Bereich, so kommt in etwa 50 Prozent der FĂ€lle ionisierende Strahlung zur Tumorelimination zum Einsatz (Strahlentherapie). Obwohl die heute ĂŒbliche fraktionierte Bestrahlung die Folgen einer Strahlentherapie auf die SpeicheldrĂŒsen etwas einschrĂ€nkt, gibt es bisher keine zuverlĂ€ssige Methode, die Strahlung so zu beherrschen, dass Nebenwirkungen vollkommen ausgeschlossen werden können. Betroffen sind Haut und Schleimhaut, Muskulatur, SpeicheldrĂŒsen, Knochen und ZĂ€hne. Eine SchĂ€digung der SpeicheldrĂŒsen fĂŒhrt zu Mundtrockenheit, auch radiogene Xerostomie genannt, in deren Folge eine oft sehr schmerzhafte EntzĂŒndung der Mundschleimhaut (Mukositis) auftreten kann. Das Risiko einer sogenannten Strahlenkaries steigt bei diesen Patienten durch den Wegfall der neutralisierenden und remineralisierenden Wirkung des Speichels extrem an.
Um das Risiko einer Strahlenkaries zu verringern, sollte vor Beginn der Radiotherapie eine vollstĂ€ndige Sanierung des Gebisses erfolgen. AuĂerdem sollten bereits in dieser Phase die Zahnpflege und die Kooperationsbereitschaft des Patienten durch umfangreiche und wiederholte Mundhygieneinstruktionen verbessert werden. WĂ€hrend der Bestrahlungsphase muss tĂ€glich eine professionelle Mundreinigung durchgefĂŒhrt werden.cite-ref-22[22] Zur Verminderung von StrahlenschĂ€den an den MundschleimhĂ€uten können Strahlenschutzschienen eingesetzt werden. Doch MundhygienemaĂnahmen alleine können das Auftreten der Strahlenkaries nicht verhindern. Speichelersatzmittel sind als ein wertvolles Mittel gegen die Mundtrockenheit anzusehen, haben aber keine kariesprophylaktische Wirkung. Sie können sogar SchĂ€den an der Zahnhartsubstanz hervorrufen, da sie zum Teil einen niedrigen pH-Wert haben und damit erosiv wirken. Die regelmĂ€Ăige lokale Fluoridierung wĂ€hrend und nach der Bestrahlung ist eine zentrale Begleittherapie fĂŒr Kopf-Hals-bestrahlte Patienten.
Folgen und Komplikationen
Da die KarieslĂ€sion sich der Pulpa nĂ€hert, können bakterielle Endotoxine zur EntzĂŒndung der Pulpa fĂŒhren. Der Patient nimmt das durch erhöhte KĂ€lte- und WĂ€rmeempfindlichkeit wahr, da die Endotoxine die Reizschwelle der Nervenfasern herabsetzen. In diesem Stadium kann durch eine zahnĂ€rztliche Behandlung die EntzĂŒndung rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden (Entfernen der Karies, Anbringen einer bakterienhemmenden UnterfĂŒllung (auf der Basis von Ca(OH)2) und einer dichten Restauration). Wird der EntzĂŒndungsvorgang nicht unterbrochen, kann die Pulpa unwiderruflich angegriffen werden (irreversible Pulpitis), es kommt zu spontanen, zum Teil heftigen Schmerzen einer odontogenen Infektion. Erreichen die Bakterien die Pulpa, entstehen lokale Abszesse, und die Pulpa stirbt ab (PulpengangrĂ€n). In diesem Fall hilft nur noch eine Wurzelkanalbehandlung oder, wenn der Zahn nicht mehr restauriert werden kann, die Extraktion.
Bildet sich an bereits behandelten (gefĂŒllten) Stellen erneut Karies, so spricht man vom Kariesrezidiv oder der SekundĂ€rkaries. Bei der SekundĂ€rkaries handelt es sich um eine kariöse Erkrankung durch jegliche restaurative MaĂnahme, beispielsweise an einem ĂŒberstehenden, unpolierten oder schadhaften FĂŒllungs- oder Kronenrand.
Vorbeugung
ErnÀhrungsweise und Neutralisierung von SÀuren
Die beste Möglichkeit, Karies vorzubeugen, ist eine BeschrĂ€nkung der Zuckeraufnahme. Dadurch wird die VerĂ€nderung der Mundflora in Richtung einer kariogenen Plaque verhindert. Die American Dental Association (US-amerikanische ZahnĂ€rztliche Vereinigung)cite-ref-23[23] und die EuropĂ€ische KinderzahnĂ€rztliche Akademiecite-ref-24[24] empfehlen, den Konsum zuckerhaltiger GetrĂ€nke einzuschrĂ€nken sowie SĂ€uglingen und Kleinkindern keine zuckerhaltigen FlĂŒssigkeiten zum Einschlafen zu geben.
Von groĂer Wichtigkeit fĂŒr die Zahngesundheit sind ausreichende Pausen zwischen den Mahlzeiten (oder dem Trinken zuckerhaltiger GetrĂ€nke), in denen der Speichel die SĂ€uren neutralisieren und die angegriffene Zahnsubstanz remineralisieren kann. Es kommt also nicht so sehr auf die Menge des konsumierten Zuckers an, sondern vor allem auf die HĂ€ufigkeit und Dauer des Zuckerkonsums. Eine ĂŒber den Tag verteilte Dosis eines zuckerhaltigen ErfrischungsgetrĂ€nkes erhöht das Kariesrisiko betrĂ€chtlich, da dadurch dem Zahnschmelz die Regenerationsphasen genommen werden. Nicht nur Zucker, sondern auch FruchtsĂ€uren stellen eine Gefahr fĂŒr die ZĂ€hne dar, wobei sich dies vor allem als Zahnerosion niederschlĂ€gt. Ein ausreichender Speichelfluss ist fĂŒr die Gesunderhaltung von ZĂ€hnen und MundschleimhĂ€uten unerlĂ€sslich. Jede BeeintrĂ€chtigung des Speichelflusses bedeutet neben einer Vielzahl von unangenehmen Begleiterscheinungen auch immer eine Erhöhung des Kariesrisikos. Ein gĂ€nzliches Versiegen des Speichelflusses kann innerhalb kĂŒrzester Zeit zur kariösen Zerstörung der ZĂ€hne fĂŒhren.
ZĂ€hneputzen
Eine Möglichkeit, entstandene Plaque zuverlĂ€ssig zu entfernen, ist die Reinigung der ZĂ€hne mit der ZahnbĂŒrste und in den ZahnzwischenrĂ€umen mit Zahnseide oder, bei gröĂeren AbstĂ€nden zwischen den ZĂ€hnen, mit der ZahnzwischenraumbĂŒrste. MundspĂŒlungen, auch Chlorhexidindigluconat, können eine Neubildung der Plaque verzögern, aber nicht verhindern. Eine grĂŒndliche Entfernung der ZahnbelĂ€ge kann die Demineralisation verhindern. HĂ€ufig wird empfohlen, unmittelbar nach den Mahlzeiten nicht die ZĂ€hne zu putzen, da der Zahnschmelz bereits angelöst ist und durch das Reinigen leichter abgetragen werden kann. Neueste Untersuchungen deuten allerdings darauf hin, dass ein Abwarten des ZĂ€hneputzens nach der Mahlzeit sogar kontraproduktiv sein kann und daher nicht zu empfehlen ist.cite-ref-25[25]
Fluoride, Xylit und Polyphenole
Als gute Möglichkeit, die Entstehung von Karies zu verhindern, wird die Prophylaxe mit Fluorid angesehen. Es fördert insbesondere die Remineralisation.cite-ref-26[26] Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) rĂ€t nur eine Form der Fluoridprophylaxe anzuwenden.cite-ref-27[27] Hierbei sollten FluoridprĂ€parate abgesetzt werden, sobald mit dem ZĂ€hneputzen mit fluoridierter Zahnpasta begonnen wird.
Im Vordergrund steht heutzutage die lokale Verabreichung von Fluoriden zur Kariesprophylaxe und nicht mehr die Gabe von Fluoridtabletten. Letztere sollten nur gelutscht werden, um die lokale Wirkung zu erzeugen.cite-ref-28[28] Neben FluoridprÀparaten trÀgt auch der Zusatz von Fluoriden im Speisesalz zur Aufnahme bei.
Die Fachgesellschaften und VerbĂ€nden der PĂ€diatrie, Zahnheilkunde, Geburtshilfe und ErnĂ€hrung sowie der zahnĂ€rztlichen Gruppenprophylaxe sprechen eine einheitliche Empfehlung unter dem Netzwerk âGesund im Lebenâ aus. Hierbei soll vor Durchbruch der ersten ZĂ€hne systemisch Fluoride in Tablettenform eingenommen werden, danach die Kariesprophylaxe zunehmend durch fluoridhaltiger Zahnpasta erreicht werden.cite-ref-29[29]cite-ref-30[30]
Siehe auch
:
Abschnitt âEmpfehlungen deutscher Fachgesellschaftenâ bei Fluoridierung
Unter anderem in Finnland wurde seit den 1970er Jahren der Einsatz von Xylit systematisch erforscht. Eine mögliche antikariogene Wirkung wird dadurch erklĂ€rt, dass die kariogenen S. mutans das Xylit nicht verstoffwechseln können und damit absterben bzw. weniger SĂ€uren produzieren. Weiterhin werden sie auch daran gehindert, als Plaquebakterien an der ZahnoberflĂ€che anzuheften. Das Xylit kann mittels Kaugummi, Lutschpastillen und xylitenthaltende Zahnpasta freigesetzt werden. Eine Metastudie der Cochrane Collaboration aus dem Jahr 2015 hat eine mögliche Verringerung von Karies bei Kindern durch fluorhaltige Zahnpasta mit Xylit (im Vergleich zu nur fluoridhaltiger Zahnpasta) untersucht.cite-ref-31[31] Schlussfolgerungen ĂŒber eine vorbeugende Wirkung seien aufgrund der schlechten QualitĂ€t der Belege und methodischer MĂ€ngel wenig aussagekrĂ€ftig.cite-ref-kerschner-32-0[32] Die Aussagekraft anderer xylithaltiger Produkte ist durch die sehr schlechte QualitĂ€t nicht gegeben. Der karieshemmende Nutzen Xylits ist gröĂtenteils unklar, Xylit kann teilweise zu BlĂ€hungen und Durchfall fĂŒhren.cite-ref-kerschner-32-1[32]cite-ref-33[33]
Polyphenole können die bakterielle Anhaftung an der ZahnoberflÀche verringern (Plaque), die Biofilmbildung hemmen und antibakteriell wirken.cite-ref-1-34-0[34] Aufgrund der Vielfalt der Polyphenole und der komplexen Struktur dentaler Biofilme sind jedoch keine allgemeinen Aussagen möglich. Ein Metareview verschiedener Studien konnte keinen signifkanten Effekt von Polyphenolen auf die PrÀvention dentaler Biofilmbildung zeigen.cite-ref-1-34-1[34]
Mikrobielle Aspekte
Eine Studie der University of Pennsylvania ergab zudem, dass der Hefepilz C. albicans zu einer Förderung der Plaqueproduktion fĂŒhrt und somit das Kariesrisiko erhöht. Versuche mit Ratten zeigten eine HĂ€ufung von ZahnschĂ€den durch die Kombination der Hefepilze und Streptokokken.cite-ref-35[35]
Eine weitere neuartige Entwicklung ist die Verwendung von speziellen MilchsÀurebakterien, zum Beispiel als Hauptbestandteil von Zahnpasta: der Lactobacillus paracasei gegen Karieserreger.cite-ref-36[36] Diese sind in der Lage, Kariesbakterien gezielt zu erkennen, an diesen anzudocken und danach leicht zu entfernen.
Zahnarztbesuch
Die Vorsorgeuntersuchung zur frĂŒhzeitigen Erkennung von krankhaften ZustĂ€nden sollte zweimal im Jahr stattfinden. Die Gruppenprophylaxe betrifft ausgewĂ€hlte gröĂere Bevölkerungsgruppen (z. B. Untersuchungen von Schulkindern durch SchulzahnĂ€rzte), wĂ€hrend die Individualprophylaxe sich auf Einzelpersonen bezieht.cite-ref-37[37]
Gesetzlich Versicherten in Deutschland bestĂ€tigt der Behandler in einem Bonusheft, dass der Patient die regelmĂ€Ăige Vorsorgeuntersuchung wahrgenommen hat. Patienten, die ĂŒber 18 Jahre alt sind, mĂŒssen in ihrem Bonusheft einmal pro Jahr einen Zahnarztbesuch belegen können. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre sollen zweimal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt. Ist das Bonusheft fĂŒnf Jahre lang lĂŒckenlos gefĂŒhrt, erhöht sich der Festzuschuss von 60 auf 70 Prozent der durchschnittlichen Kosten der Regelversorgung. Können sie die entsprechenden Termine zehn Jahre lĂŒckenlos nachweisen, erhöht sich der Zuschuss der Krankenkasse auf 75 Prozent.cite-ref-38[38] Gesetzliche Grundlage ist § 22 SGB V.cite-ref-39[39]
Impfung
â
Hauptartikel
:
Karies-Impfstoff
An einer Impfung gegen Karies wird derzeit noch geforscht.
Vitamin-D-Mangelzustand
Bevor Fluoride eingesetzt wurden, galt in den 1930erâ1940er Jahren Vitamin D als eines der zentralen Mittel zur KariesprĂ€vention.cite-ref-0-40-0[40] Jedoch stammten die zugrunde liegenden Daten ĂŒberwiegend aus Beobachtungsstudien ohne Kontrollgruppen oder Randomisierung, wie auch die historischen Beobachtungen Alfred Kantorowiczâ im Zusammenhang mit der Anwendung von Vigantol. Es gibt auch starke Hinweise darauf, dass viele in der Vergangenheit durchgefĂŒhrten Studien aufgrund negativer Ergebnisse (kein kariesprotektiver Effekt durch Vitamin D) nicht publiziert wurden (Publikationsbias).cite-ref-41[41] In den letzten Jahren rĂŒckte Vitamin D erneut als möglichlicher Kariesschutz in den Fokus. So haben neuere epidemiologische Studien bericht, dass niedrige Vitamin D-Spiegel mit höherer KariesprĂ€valenz assoziiert sind. Dennoch liegen auch Studien vor, die keine oder kaum eine Assoziation feststellen.cite-ref-0-40-1[40]cite-ref-42[42] Ob Vitamin D auch kausal zur KariesprĂ€ventaiton beitrĂ€gt, kann mittels prospektive LĂ€ngschnittstudien geklĂ€rt werden.
Therapie
Die Entkalkung (âmacula albaâ [weiĂer Fleck]) als Vorstufe der Karies lĂ€sst sich durch intensive Fluoridierung mit speziellen FluoridprĂ€paraten remineralisieren und so zum Verschwinden bringen. Oft setzen sich jedoch im Laufe der Zeit in diese Entkalkung dunkle Farbpigmente aus der aufgenommenen Nahrung ab, so dass aus dem âweiĂen Fleckâ ein âdunkler Fleckâ (âmacula fuscaâ) wird. Diese Flecken sind vorzugsweise an den Kontaktpunkten zu den NachbarzĂ€hnen (approximal) zu finden.
Kariesinfiltration
Die Kariesinfiltration oder allgemeiner das Infiltrationskonzept (Icon) ist eine mikroinvasive Behandlungsmethode bei Initialkaries und bei weiteren, nicht kariesbedingten hypomineralisierten Bereichen des Zahnschmelzes. Die Behandlung erfolgt durch die Infiltration (das Eindringen, das FĂŒllen) des hypomineralisierten Bereichs mit einem niedrigviskosen Kunststoff, dem Infiltrant und AushĂ€rten des Kunststoffs. Die erfolgreiche Kariesinfiltration versiegelt die durch die Hypomineralisation entstandenen Poren gegen kariesfördernde Stoffe (SĂ€uren, niedermolekulare Kohlenhydrate) und Bakterien und verhindert so ein Fortschreiten der Karies und letztlich die Entstehung einer KavitĂ€t.cite-ref-43[43]cite-ref-44[44]cite-ref-45[45]cite-ref-46[46]cite-ref-47[47]cite-ref-48[48]
Konservative Therapieformen
SpĂ€tere Stadien der Karies, die mit einer KavitĂ€t (âLochâ) einhergehen, mĂŒssen anders versorgt werden: Die betroffene Zahnhartsubstanz muss ausgerĂ€umt und der Zahn mit einem FĂŒllungsmaterial (beispielsweise Glasionomerzement, Komposit, Amalgam, Inlay) versorgt werden.
Bei stĂ€rkerer Zerstörung des Zahnes kommt ein Onlay oder eine Ăberkronung, und falls die Bakterien die Pulpa bereits erreicht haben, eine Wurzelkanalbehandlung oder eine Entfernung des Zahnes in Frage. Der entfernte Zahn sollte möglichst umgehend ersetzt werden (BrĂŒcke oder Implantat), um VerĂ€nderungen des Kiefers bzw. der Zahnstellung zu verhindern.
Belassen kariösen Restdentins
Nach einhundert Jahren, in denen die vollstĂ€ndige Entfernung kariösen Dentins als State-of-the-art galt, wird nach neueren Untersuchungen dem Belassen von kariösem Restdentin im pulpennahen Bereich der Vorzug gegeben. Im Mittelpunkt der Behandlung pulpennaher Defekte steht der Erhalt der verschlossenen Pulpa. Eine komplette Kariesentfernung fĂŒhrt hĂ€ufiger zur Eröffnung der Pulpa als das Belassen von Restkaries. Dem pulpennahen Dentin wird dabei Gelegenheit gegeben, TertiĂ€rdentin zu bilden. Pulpennahes Dentin wird dabei mit Kalziumhydroxid oder Glasionomerzement abgedeckt. Das Verfahren wird â oft eher aus MarketinggrĂŒnden â als minimalinvasiv bezeichnet. Um kariöses Dentin im notwendigen Umfang exkavieren zu können, gibt es zahlreiche selbstlimitierende Verfahren.
Diese arbeiten entweder mit aktivem Feedback:
âą Fluorescence Aided Caries Excavation (FACE)
âą drehmomentkontrollierte Bohrer
âą fluoreszenzgesteuerter Laser
oder mit passivem Feedback:
âą chemomechanisch: Carisolv
âą proteolytische Enzyme
âą rotierende Polymerinstrumente
Aktive Feedback-Verfahren sind zu bevorzugen, da sich dabei der gewĂŒnschte Endpunkt des Exkavierens einstellen lĂ€sst und der Zustand des verbleibenden Dentins berĂŒcksichtigt werden kann.cite-ref-49[49] Nach einer aktuellen Studie mit hoher Evidenz wird die Prognose der Pulpa durch unvollstĂ€ndige Kariesentfernung in einem Schritt, also mit anschlieĂendem definitivem KavitĂ€tenverschluss, verbessert.cite-ref-50[50]
Ăltester Nachweis von Zahnkaries
Karies kommt nicht nur beim Menschen vor. Sie tritt auch bei anderen Primaten mit unterschiedlicher HĂ€ufigkeit auf. Im Jahr 2021 wurde eine Untersuchung veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kam, dass bereits bei Microsyops latidens, einem Primaten (oder nahen Primatenverwandten) aus dem Unteren EozĂ€n, Karies aufgetreten sei. Mit einem Alter von etwa 54 Millionen Jahren ist dies der frĂŒheste Nachweis von Karies bei einem SĂ€ugetier. Dabei wurden auch starke Schwankungen in der KarieshĂ€ufigkeit festgestellt. Es wird vermutet, dass M. latidens sich zeitweise vermehrt von FrĂŒchten oder anderer zuckerhaltiger Nahrung ernĂ€hrte, da sich aufgrund von Klimaschwankungen das Nahrungsangebot verĂ€nderte.cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]
Siehe auch
Literatur
Leitlinien
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Fachliteratur
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Weblinks
Wiktionary: Karies
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Commons
: Zahnkaries
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Einzelnachweise
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